Wirtschaft erwartet ein trübes WM-Geschäft – dpa

M:Mit einem Fanschal um den Hals und zusammen mit Freunden oder Verwandten vor der großen Leinwand im Biergarten können Sie die Fußball-WM-Spiele mitfiebern. Spätestens seit dem Sommermärchen 2006 sind Übertragungen von großen Turnieren in vielen Teilen Deutschlands ein Fußballfest, zumindest bis jetzt. Denn die am 20. November in Katar beginnende WM verspricht hierzulande eher ein desolates Ereignis als ein euphorisches Fußballfest. Der umstrittene Standort, schlechtes Wetter in Deutschland, Energiekrise und Inflation trüben auch die Aussichten für die heimische Wirtschaft.

„Für den Einzelhandel wäre es sicherlich einfacher, wenn das Turnier in bewährter Weise im Sommer ausgetragen würde. Und die Situation mit dem Austragungsort Katar ist sicherlich etwas Besonderes“, sagte der Vertreter des Handelsverbandes Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. Jedes große Sportereignis bringt bestimmten Einzelhandelsbranchen mehr oder weniger Umsatz. Und die Erfahrung zeigt, dass gerade die WM einen Schub für Fanartikel, Trikots und bestimmte Lebensmittel gibt.

Die Weltmeisterschaft in Katar könne nicht mit Sportveranstaltungen im eigenen Land verglichen werden, sagte der Sprecher. „Fan-Events im öffentlichen Raum werden im Winter sicherlich deutlich seltener stattfinden.“ Zudem reduzierten steigende Energiekosten den Verbrauch. Eine Prognose für das WM-Geschäft ist schwierig, weil der Handelsverband ein solches Turnier noch nicht erlebt hat.

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die nachfrage ist sichtlich gedämpft

Laut dem Handelsverband Intersport Heilbronn ist die Nachfrage nach WM-Fanartikeln dieses Mal deutlich verhaltener. „Durch den WM-Termin im Winter gibt es keine Public-Viewing-Veranstaltungen und Biergärten, bei denen es eine tolle Stimmung und einen großen Artikelbedarf geben wird“, sagt Frank Geisler, Vorstand von Intersport Deutschland. Der Austragungsort wird von Kunden und Intersport kritisch gesehen. “Bisher gab es weniger Euphorie.” Dabei spielten auch die Energiekrise und die Inflation eine Rolle. “Trotzdem hoffen wir auch auf eine mögliche positive Überraschung.”

Sportartikel- und Bekleidungshersteller Adidas rechnet trotz der Rahmenbedingungen mit Millionengeschäften von der WM. Konkret erhoffen sich die Herzogenauracher eine Umsatzsteigerung auf 400 Millionen Euro, sagte der Sprecher. Die Fußballverkäufe stiegen in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent. „Im Vergleich zur WM 2018 sehen wir eine höhere Nachfrage.“

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Vor großen Fußballturnieren in Deutschland bricht meist das Teamfieber aus. Im Vorfeld der umstrittenen WM sind Bilder des begehrten Fußballtrikots jedoch nicht so beliebt wie sonst Herman Paul, Geschäftsführer des Stuttgarter Panini-Verlags, sagte der Augsburger Allgemeinen Zeitung, er rechne mit deutlich schlechteren Geschäften als bei früheren Turnieren. .

Es gibt keinen Anreiz, Bier zu verkaufen

Diesmal könnte deutlich weniger Bier über die Theken und Tresen gehen. „Unsere Branche erwartet von dieser Veranstaltung keine Impulse, wir müssen das sehr nüchtern betrachten“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Brauer-Bunds, Holger Eichel.

Dass die Weltmeisterschaft im Winter stattfindet, dürfte die Erwartungen an die Brauereien dämpfen. „Sommerwetter ist generell der Bier-Bestseller, während die Verschiebung des Turniers in die kalte Winterzeit die Lust auf kühles Bier verringern soll“, sagte ein Vertreter der Radeberger Gruppe. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Nachfrage deutlich unter dem Niveau ähnlicher Sportgroßveranstaltungen liegen wird. Wegen des kritisierten Veranstaltungsortes sollen einige Gastronomen angekündigt haben, nicht live zu übertragen.

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Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg bestätigte, dass einige Gastronomen die WM in Katar wegen der Menschenrechtslage boykottieren. Ohl erwartet, dass das Gastgewerbe weniger beschäftigt sein wird als gewöhnlich. Als Gründe nannte er die Jahreszeit, die Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsgeschäft und die kritische Haltung der Gastronomie gegenüber dem Event.

Prognosen zum WM-Geschäft will der Deutsche Fleischer-Verband nicht abgeben. „Schwer zu sagen, was einen erwartet“, sagt Reinhard von Stutz von der Verbandsgeschäftsführung. Bestellungen kommen in kurzer Zeit und sind stark vom Fortschritt der Spiele abhängig.

Früher nutzte man gerne große Fußballturniere, um sich einen neuen Fernseher anzuschaffen, sehr zur Freude der Elektronikindustrie. Der Ingolstädter Elektronik-Händler MediaMarktSaturn, so ein Sprecher, habe noch keine spürbaren Umsatzsteigerungen bei TV-Produkten wie bei vorangegangenen Europa- und Weltmeisterschaften zu verzeichnen.

Schließlich sollte der Blick auf das Jahr 2024 die heimische Wirtschaft optimistisch stimmen. Dann wird die Europameisterschaft wie gewohnt im Sommer in Deutschland ausgetragen.

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