Wie ein ukrainischer Spitzenklub vergessen wird: “Einfach nur fürchterlich”

Ab Sonntag schaut die Fußballwelt auf Katar. Trotz der Wüsten-WM sollte das Schicksal von „Shakhtar“ Donetsk nicht in Vergessenheit geraten. Zu Besuch im Exil des Topklubs der Ukraine.

Der 20-Jährige macht dem Publikum plötzlich klar, dass dies nicht nur eine Pressekonferenz vor irgendeinem Champions-League-Spiel ist. Sudakov spricht mit ihnen im Stadion Vojska Polskiego. Denn er und sein Team „Shakhtar Donetsk“ empfingen im Endspiel der Gruppenphase der höchsten Spielklasse den DFB-Pokalsieger „RB Leipzig“. In Warschau. Wie zuvor Celtic Glasgow und Real Madrid. Weil “Shakhtar” – der Klub von Bergarbeitern von Donbass läuft. Und das seit Jahren.

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Georgiy Sudakov: Shakhtars Offensivtalent hat wie seine Teamkollegen seit Monaten keine richtige Zeit mehr. (Quelle: IMAGO/Sven Sonntag)

Der bewaffnete Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen hat den 13-fachen Meister der Ukraine zum ersten Mal brutal entführt. Im Jahr 2014 musste der Club seinen derzeitigen Standort, die Donbass Arena, verlassen. “Shakhtar” fand Zuflucht im mehr als 1200 Kilometer entfernten Lemberg. Aber in der Westukraine verirrten sich selten vierstellige Menschenzahlen ins Stadion – die Westukraine ist nicht Schachtars Kernland.

Also zog der Klub nach zwei Spielzeiten nach Charkiw – näher an die Heimat, an den Ort, an dem das orange-schwarze Herz des ukrainischen Fußballs schlägt. Doch auch dort hielt es der Klub nicht lange: 2020 zog es sie in die Hauptstadt, nach Kiew, wo sie in das weitläufige Svyatoshyn-Trainingszentrum und ins Olympiastadion umzogen. Als am Morgen des 24. Februar 2022 russische Granaten auf Kiew niedergingen, war dieser sichere Hafen auch für Shakhtar Geschichte. Die Spieler und Mitarbeiter flohen erneut und begannen ein Nomadenleben auf der Suche nach einem neuen Trainingszentrum, um ein Lager aufzubauen. In Kroatien. In Slowenien. In den Niederlanden. Endlich in Polen.

“Shakhtar” befindet sich seit Monaten in einer wahren Odyssee

In den Monaten seit jenem schicksalhaften Morgen im Februar ist viel passiert. Die ukrainischen Streitkräfte konnten den Vormarsch der russischen Aggressoren stoppen und strategisch wichtige Siege erringen. In vielen westlichen Regionen der Ukraine, sogar in Kiew, ist eine Form des Alltags zurückgekehrt. Das Symbol dieses Erfolgs ist die Wiederaufnahme von Fußballspielen. Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst hat beschlossen, die Premier League, die höchste Profiliga des Landes, auf ukrainischem Boden auszurichten. Er sprach.

Obwohl die heimische Liga mit Spielen in Lemberg und sogar in Kiew neu gestartet wurde, sind Europapokal-Abende auf ukrainischem Territorium nach dem Machtversprechen des Präsidenten im Sommer immer noch utopisch. Die Sicherheitsbedenken sind groß und Reisen für große Stars wie den internationalen Fußballer Karim Benzema sind sehr schwierig und zeitaufwändig. Deshalb suchte und fand “Shakhtar” in Warschau ein neues Zuhause auf Zeit.

Stadion Wojska Polskiego: Hier trägt Donezk in Warschau seine Spiele aus.
Stadion Wojska Polskiego: Hier trägt Donezk in Warschau seine Länderspiele aus. (Quelle: IMAGO/Sven Sonntag)

Shakhtar trainiert auf dem 30.000 Plätze fassenden Feld des lokalen Traditionsvereins Legia und trainiert einmal pro Woche im nahe gelegenen Sportpark. Sie fahren am Wochenende zu ukrainischen Ligaspielen nach Lemberg und manchmal sogar zu Auswärtsspielen nach Kiew. Und mit dem Bus. Stundenlang. Der für den Passagierverkehr gesperrte Luftraum der Ukraine zwingt den UEFA-Cup-Sieger von 2009 zur Tat. Die Spieler, Trainer und Mitarbeiter von “Shakhtar” werden bis Anfang November mehr als 10.000 Kilometer zwischen ihrem Land und dem Exil in Warschau reisen.

“Es ist schrecklich, es ist schrecklich”

Shakhtar-Cheftrainer Igor Jovičević sagt im Interview mit t-online: „Unsere Reise ist unglaublich.“ „Ukraine air is closed, was bedeutet, dass wir nicht direkt von Lemberg zu unseren Auswärtsspielen in Europa fliegen können, sondern die ukrainisch-polnische Grenze mit dem Bus zum ersten Flughafen auf polnischem Boden überqueren müssen. Wenn andere Teams folgen, kommen sie. Wochenenden, wenn wir haben ein Rivalitätsspiel, wir sitzen im Bus und stehen stundenlang am Grenzübergang. Es ist schrecklich, es ist schrecklich.“

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