Wie ein Brautpaar gegen die Russen kämpft: Ihre Liebe ist stärker als der Krieg | Politik

Durch: Björn Stritzel, Dmytro Zahrebelny und Lars Berg (Foto) derzeit Kherson

Cherson ist frei – nach neun Monaten russischer Besatzung weht die ukrainische Flagge wieder über der Stadt im Süden des Landes. Unter dem Druck der ukrainischen Armee mussten sich die russischen Invasoren aus Cherson zurückziehen.

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Auch ein Ehepaar an der Front half im Befreiungskampf: „Demon“, der Kommandant eines Raketenwerfers, und seine Frau Tatjana. BILD am SONNTAG traf beide am Tag vor der Befreiung, als die russischen Truppen noch den Rückzug sicherten.

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„Seit 2020 bin ich in der Bundeswehr“, sagt Tatjana. Im Zivilleben arbeitete er als Arzt, dann trat er in die Armee ein, um den Soldaten zu helfen, die bereits im Osten des Landes gegen die russischen Invasoren kämpften.

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Jungvermählten Demon und Tatjana

Jungvermählten Demon und Tatyana

Foto: Lars Berg

„Am Anfang war meine Mutter dagegen, dass ich zur Armee gehe“, sagt Tatjana. Fast ein halbes Jahr lang versteckte er seine Arbeit, doch eines Abends kam er in Uniform nach Hause. „Ich wusste nicht, dass meine Mutter da war, sie hat mich gesehen und dann war sie draußen.“

Kurze Zeit später wird Tatjana einer Raketenwerfereinheit zugeteilt. „Wir brauchen einen Sanitäter“, sagt der „Demon“-Kommandant. Es war Liebe auf den ersten Blick, sagten beide. „Ich war beeindruckt, wie mutig sie ist“, sagt Demon.

Nur drei Tage frei: Die Hochzeit findet spontan statt

Nur drei Tage frei: Die Hochzeit findet spontan statt

Foto: Lars Berg

Als im Februar die russische Armee in die gesamte Ukraine einmarschiert, werden die beiden kurzzeitig getrennt. Tatyana muss den Verwundeten helfen, den russischen Vormarsch im Süden zu stoppen. „Es war eine sehr schwere Zeit, weil wir getrennt waren und ich nicht wusste, wie ich das machen soll“, sagt Tatjana.

Nach ein paar Wochen kehrt Tatjana in die Einheit zurück – und zu ihrem Freund. „Den meisten Einheiten ist etwas aufgefallen, aber irgendwann haben wir uns entschieden, es offiziell zu verkünden“, sagt Tatjana.

Im September, nach der erfolgreichen Offensive in Charkiw, bekam das Paar drei Tage frei. „Wir haben die Zeit genutzt und geheiratet, das war alles ganz spontan. Zum Glück haben wir auch noch einen Fotografen gefunden“, lacht Tatjana.

Liebe in Kriegszeiten: Das Ehepaar im September

Liebe in Kriegszeiten: Das Ehepaar im September

Foto: Lars Berg

Jetzt sind beide wieder gemeinsam mit ihrer Einheit im Kampf gegen die russischen Invasoren: Hinter den beiden steht ein Raketenwerfer BM-21 Grad auf einem Ural-375D-Lkw. Der Werfer kann 40 Raketen aufnehmen, in wenigen Sekunden feuern und ein großes Gebiet abdecken – ideal für die flache Landschaft, wie die Steppe in Cherson.

Allerdings: Der Werfer lässt sich noch relativ leicht entdecken, ein russischer Gegenangriff ist jederzeit möglich. Deshalb geht Tatjana mit, damit sie sich im Notfall schnell um die Soldaten – darunter auch ihren Mann – kümmern können. „Es fühlt sich gut an zu wissen, dass sie da ist und sich um sie kümmert“, sagt Demon.

Dann kommt der Befehl zum Ausrücken: Die Crew springt in den Truck, Tatjana in ihr Auto, gemeinsam rennen sie von der Ebene unter dem Wald zur Stellung. Die Koordinaten des Ziels werden per Funk übermittelt, dann heißt es: Feuer frei!

In kurzen Abständen werden Gradraketen abgefeuert, nach wenigen Sekunden ist alles vorbei. Die Autos kehren in Position zurück, unter den Bäumen und mit einem Tarnnetz ist der Grad-Werfer bereit für den nächsten Einsatz.

Mehrere ukrainische Raketenwerfer haben auf russische Stellungen geschossen

Mehrere ukrainische Raketenwerfer haben auf russische Stellungen geschossen

Foto: Lars Berg

Die Stadt Cherson

Die für ihre Melonen berühmte Großstadt (knapp 280.000 Einwohner) wurde zu Beginn der russischen Invasion besetzt. Mit Demonstrationen, bei denen die ukrainische Flagge geschwenkt wurde, wehrten sich Anwohner gegen die Besatzer, doch sie reagierten mit brutaler Gewalt: Entführungen, Folter und Mord waren an der Tagesordnung.

Noch größer war die Freude über den Rückzug der Invasoren: Noch bevor die ukrainische Armee das Stadtzentrum erreichte, hissten Anwohner auf dem zentralen Platz die ukrainische und die EU-Flagge – offenbar hatten sie diese unter Lebensgefahr vor den russischen Besatzern versteckt .

Foto: BILD

Die große Gefahr seien jetzt die Minen, sagt der „Phoenix“-Kommandant zu BILD. Er und seine Kameraden haben gerade einen russischen Kampfpanzer T-90A erbeutet.

“Wir haben mit zwei Raketen angegriffen, wir konnten sehen, wie sich die Besatzung zurückzog, aber wir konnten sie erst jetzt sichern.” Doch als sie sich dem Kampfpanzer nähern, entdecken sie gerade noch rechtzeitig ein Vermächtnis: einen Anti-Mon-90. – mein persönliches.

“Die Russen haben überall Minen hinterlassen”, sagt Phoenix. Die ukrainischen Minenräumer haben noch viel zu tun.

Dieser Artikel stammt von BILD am SONNTAG. Das ePaper der gesamten Ausgabe ist verfügbar hier.

Karte: Befreiung von Cherson - Infografik

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