Patentanmeldungen: Kaum Erfinderinnen in Baden-Württemberg – Wirtschaft

Die Kernphysikerin Liz Meitner ist sicherlich eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen der Geschichte, doch stand sie immer im Schatten ihres männlichen Pendants Otto Hahn. Das gilt wohl noch für viele Erfinderinnen. Foto: imago/ZUMA/Keystone/eople


In keinem anderen Bundesland ist der Frauenanteil bei Patenten so gering wie in Baden-Württemberg. Insgesamt hinkt Deutschland auch dem europäischen Vergleich hinterher.

Es gibt Sätze, die kann man nicht ändern, weil sonst die Wahrheiten verloren gehen. Deutschland ist ein Erfinderland, es ist ein Beispiel, und zwar ein schmerzhaftes. Eine Studie des Europäischen Patentamts (EPA) in München zeigt, dass es in der Bundesrepublik besonders an Erfinderinnen mangelt. Selbst der europäische Durchschnitt wirft Fragen zur Gleichstellung der Geschlechter auf. Zwischen 1978 und 2019 waren nur 13,2 Prozent der beim EPA eingereichten Patentanmeldungen von Frauen. Am schlechtesten schneidet Deutschland mit 10,0 Prozent ab. Von den 34 untersuchten Ländern haben nur Liechtenstein und Österreich noch weniger Anträge auf Nachverfolgung von Frauen. „Unsere Studie kann die Diskrepanzen nicht vollständig erklären“, räumt EPA-Ökonom Ilya Rudik ein.

Viele Patente in Männerdomänen

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In Deutschland werden viele Patente in Bereichen angemeldet, die in der Regel Männerdomänen sind, wie etwa im Maschinenbau oder in der Fahrzeugtechnik. Es reduziert den Frauenanteil. „Allerdings ist hierzulande jeder dritte Promovierte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik weiblich“, berichtet die EPA-Expertin. Das ist deutlich höher als die Erfinderinnenquote der Bundesrepublik.



Deutlich besser sieht es beispielsweise in Lettland aus, wo 30 Prozent der Patentanmeldungen von Frauen kommen. In Portugal, Kroatien oder Spanien ist es etwa ein Viertel. Auch der Anteil an Erfinderinnen in solchen Regionen unterscheidet sich laut Studien dort von China oder Südkorea. Auch die USA liegen mit 15 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.

In Baden-Württemberg werden nur 7,5 Prozent der Patente von Frauen gehalten

Antonio Campinos hält die europäische Quote bereits für verdächtig. „Die Studie wirft ein neues Licht auf den Beitrag von Frauen zur technologischen Innovation und die Lücken, die geschlossen werden müssen“, sagt die EPA-Chefin. Es ist wichtig, das volle Potenzial von Erfinderinnen auszuschöpfen, denn Innovation ist ein Schlüsselfaktor für Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Hamburg sähe es für Erfinderinnen in Deutschland noch düsterer aus. Der Anteil der Erfinderinnen liegt dort bei über 16 Prozent. Berlin folgt mit gut 13 Prozent und liegt damit zumindest im europäischen Durchschnitt. Auf der anderen Seite wurden immerhin Bayern mit 8 Prozent Frauen und Baden-Württemberg mit 7,5 Prozent als besonders erfindungsintensive Länder eingestuft. Auch der Anteil deutscher Erfinderinnen ist auf Unternehmensebene mit 8,4 Prozent auffallend gering, verglichen mit 13,7 Prozent an öffentlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten.

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Erfolge in drei Schritten

Ruddick will diese Details nicht weiter kommentieren und über männlichen Chauvinismus in der Erfinderszene spekulieren oder darüber, dass Frauen überwiegend in von Männern geführten Teams forschen und sich mit den Erfindungen ihrer Kolleginnen schmücken lassen.

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Beispiele dafür gibt es in der Geschichtsforschung. Eine der bekanntesten ist die deutsche Kernphysikerin Liz Meitner, die zusammen mit dem Chemiker Otto Hahn die Kernspaltung entdeckte. Dafür wurde Han der Nobelpreis von 1946 vorbehalten. Im Laufe der Zeit wurden Fortschritte erzielt, wenn auch in kleinen Schritten. Ende der 1970er-Jahre stammten nur zwei Prozent aller Patentanmeldungen beim EPA von Frauen. “In den letzten drei Jahrzehnten gab es kontinuierliche Verbesserungen, aber in den letzten Jahren keine beschleunigte Verbesserung”, sagt Rudick. Frauen wie die ungarische und Biontech-Forscherin Katalin Kaliko, deren Erfindungen unter anderem die Grundlage für Covid-Impfstoffe lieferten, haben kürzlich bahnbrechende Erfindungen gemacht. Das gilt auch für die Forschung der polnischen Software-Ingenieurin Marta Karcewicz, die Streaming und Netflix sozusagen möglich machen würde.

„Solche Frauen als Vorbilder zu haben, kann andere Forscher zu Erfindungen inspirieren“, erklärt Ruddick.

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