Museum Barberini nach Kartoffelbrei-Attacke bis Sonntag geschlossen

Eine strenge Kontrolle wurde angekündigt

Das Barberini-Museum ist nach dem Anschlag von Pira bis Sonntag geschlossen


Klimaaktivisten der Protestgruppe für Klimaschutz "Die letzte Generation" Am 23.10.2022 nach Sichtung der Zeichnung "Ein Haufen Getreide" (1890) von Claude Monet im Museum Potsdam Berberini mit Püree.  (Quelle: Last Gen/AP)

Letzte Generation/AP

Video: rbb24 Abendshow | 24.10.2022 | Philipp Hoffner, Kirstein Bering | Bild: Letzte Generation/AP

Nach dem Brei-Angriff auf ein Monet-Gemälde von Klimaaktivisten wurde das Barberini-Museum zunächst geschlossen. Auch das Museum verschärfte am Montag seine Kontrollen.

Das Museum Barberini in Potsdam bleibt für den Rest der Woche geschlossen. Die Schließung sei auf Geheiß von Barberinis Mäzen Hasso Peltner erfolgt, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider dem rbb am Montag. sich mit anderen Museen austauschen wollen, die ebenfalls Angriffe erlebt haben.

Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf Claude Monets Gemälde „Getreidehaufen“ (1890) erweiterte das Museum die Besucherbetreuung. „Im Rahmen der strengen Sicherheitsmaßnahmen finden Taschenkontrollen statt“, sagte eine Museumssprecherin am Montag dem rbb. Außerdem dürfen nur Taschen in die Ausstellung mitgenommen werden, die nicht größer als DIN A4 sind.

Nach Angaben der Protestgruppe Klimaschutz der letzten Generation schütteten ein Mann und eine Frau am Sonntag Kartoffelpüree über das Gemälde. Die Gruppe forderte die Politik auf, wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels zu ergreifen. Das verglaste Bild wurde nach dem Angriff überprüft und nach Angaben des Museums nicht beschädigt.

Der Museumsdirektor: Der Rahmen sollte aufwendig restauriert werden

Das Gemälde bleibe unversehrt, weil es durch eine Glasscheibe geschützt sei, aber der Bilderrahmen und die umgebenden Wände seien beschädigt worden, sagte der Direktor des Barberini-Museums, Utrod Westheider, dem Rabbiner. “Es ist ein historischer Rahmen, der aus der Zeit geschnitzt und ausgestattet ist. Das Gold und der Stuck sind durch die Feuchtigkeit abgeblättert und er muss aufwendig restauriert werden.”

Fünf bis sechs junge Männer würden die Tat gemeinsam begehen. Zwei bewarfen das Gemälde mit Kartoffelpüree, die anderen machten Fotos und lösten in einem anderen Raum Alarm aus, sagte der Museumsdirektor. Westheider erklärte, sie prüfe gemeinsam mit den Anwälten der Hasso-Platner-Stiftung Schadensersatzansprüche gegen die mutmaßlichen Täter. Die Schadenshöhe ist noch unklar.

Klimaaktivisten haben sich neben das Bild geklebt

Während des Angriffs trugen die beiden Klimaaktivisten laut einer Museumssprecherin Umhängetaschen in der Größe, die in der Ausstellung Platz finden. „Das Püree war in kleinen Behältern, die man theoretisch unbemerkt am Körper tragen konnte.“

Die Polizei ermittelt gegen zwei Verdächtige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, sagte eine Polizeisprecherin. Ihnen wird vorgeworfen, das Gemälde am Sonntagnachmittag mit einer gelben Flüssigkeit bespritzt zu haben. Dann würden die beiden mit je einer Hand neben dem Bild kleben.

Die Stiftung des Museumsgründers und Multimilliardärs Hasso Peltner kaufte Monets Bild 2019 in New York für fast 111 Millionen Euro. „Herr Peltner ist sehr betroffen“, sagte die Museumssprecherin. „Wir stimmen unser Vorgehen eng darauf ab.“

Feltner: Kreditgeber zu überzeugen wird künftig schwieriger

Das Museum werde sich umgehend mit allen Anwesenden in Verbindung setzen, sagte Peltner der Zeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“. [Bezahlbeitrag] Seit Samstag ist im Berberini eine Surrealismus-Ausstellung mit Leihgaben aus 50 Museen und Privatsammlungen zu sehen. Peltner sprach von der Gefahr, dass es künftig “schwierig, wenn nicht gar unmöglich” werde, Begleitpersonen für Ausstellungen im Barberini-Museum zu gewinnen.

Auch der Deutsche Museumsbund (DMB) warnte am Montag vor schwerwiegenden Folgen für die Kunstwelt. „Sofortiger Kunstgenuss wird bald nicht mehr möglich sein – da geht es hin“, sagte der Sicherheitsexperte der DMB und der Hasso-Plattner-Stiftung, Remigius Plath, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden von Klimaaktivisten benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen – auf Kosten von Kulturgütern.“

Als Sicherheitsmaßnahme empfiehlt der Museumsbund, die Kunstwerke zu verglasen und mehr Personal einzustellen, erklärte Plath. Eine Verglasung großer Formate ist jedoch überhaupt nicht möglich. Vor dem Gemälde konnte nur Glas aufgehängt werden. „Und diese Maßnahmen kosten ebenso wie mehr Personal viel Geld – und das können sich nicht alle Museen leisten“, so der Experte. „100-prozentige Sicherheit hat man nur, wenn die Arbeit im Keller einer Lagerhalle steht.“

Lederer verurteilt Angriffe auf Kunstwerke

Berlins Kultursenator Lederer (Die Linke) reagierte mit Unverständnis auf den Angriff. „Eine Frage ist eine Rechtsfrage – das entscheidet die Strafverfolgung“, sagte er am Montag im Abendprogramm von rbb 24. Er sieht die Sorgen der Klimaprotestierenden als berechtigt an, dafür wird er immer Verständnis haben. Die Beschädigung von Kunstwerken übersteigt jedoch sein Verständnis.

Dahinter steht der Gedanke „Ich werde dich zwingen zu verstehen“. Das Verständnis fördere das nicht, sagt Lederer. Allerdings muss die Politik sensibilisieren im Sinne von „doing you“.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 24.10.2022, 12:15 Uhr

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