Kursverluste ausgebaut : DAX-Anleger verlieren die Lust am Risiko


Marktbericht

Stand: 28.11.2022 13:35

Die Risikobereitschaft der Anleger am deutschen Aktienmarkt hat spürbar abgenommen. Auch Chinas größte Protestwelle seit Jahrzehnten dämpft die Kauflaune im Land. Der DAX fällt zeitweise unter 14400 Punkte.

Die Aktienmärkte gingen zu Wochenbeginn in den „Risk Off“-Modus. Anleger strömen in riskante Anlagen wie Aktien und Öl, während sichere Häfen wie Gold gefragt sind. Vor allem die jüngsten Entwicklungen in China dämpfen die Risikobereitschaft am Frankfurter Aktienmarkt.

Im Reich der Mitte mehren sich Volksproteste gegen die strikte Null-Covid-Politik des Staates. Dies führt zu einer zunehmenden Verunsicherung der Anleger, und die Märkte hassen bekanntlich nichts mehr als Ungewissheit. Die aktuellen Covid-Ausbrüche wecken bei Anlegern auch Ängste vor einer anhaltenden wirtschaftlichen Dürre in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Gewinnmitnahmen beim DAX

Daher verlängert der DAX seine Kursverluste während des Handels. Das anfängliche Tagesminimum liegt bei 14381 Punkten, was minus 1,1 Prozent entspricht. Angesichts der jüngsten starken Rallye der DAX-Kurse ist es jedoch nicht sonderlich überraschend, dass einige Anleger die Entwicklung in China nutzen, um Gewinne mitzunehmen.

Allein am Freitag erreichte der DAX mit 14.572 den höchsten Stand seit fünf Monaten, wobei der deutsche Leitindex von einem Tiefstand Ende September um fast 23 Prozent zulegte. Marktbeobachter sprachen von einer „überkauften“ Situation im DAX.

Der Frühindikator der US-Rezession trifft

Unterdessen machen sich die Anleger auch Sorgen um den US-Anleihemarkt. Der Spread von minus 80 Basispunkten zwischen den Renditen 10- und 2-jähriger US-Staatsanleihen war zuletzt so negativ wie seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr. Experten sprechen in einem solchen Fall von einer inversen Zinskurve. Dies gilt als zuverlässiger Frühindikator für eine US-Rezession.

Die Wall Street sollte niedriger eröffnen

Auch die Wall Street dürfte Anfang der Woche aufgrund der Entwicklungen in China nachgeben. Futures auf den führenden US-amerikanischen Dow Jones Industrial Average notieren derzeit 0,5 Prozent tiefer. Technologie Nasdaq 100 Futures fiel um 0,8 Prozent.

Eine Protestwelle in China lässt den Ölpreis sinken

Die Ölpreise fielen Anfang der Woche stark und verlängerten die Verluste der Vorwoche. Anfang der Woche belasteten Sorgen über die weitere Entwicklung in China die Preise, sagten Marktbeobachter. Ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent kostet zur Mittagszeit 81,11 $. Das sind 3,3 Prozent weniger als am Freitag.

Der Euro bewegt sich auf die Marke von 1,05 $ zu

Während des Handels baute der Euro seine Gewinne gegenüber dem Dollar weiter aus. Mittags werden für 1 Euro 1,0476 Dollar bezahlt, was einer Steigerung von 1,1 Prozent entspricht. Dass der Euro trotz wachsender Risikoaversion der Anleger so deutlich zulegen kann, ist ein klares Zeichen der Stärke.

Marktbeobachter führen dies darauf zurück, dass sich die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA allmählich wieder schließt, und Anleger an den Terminmärkten spekulieren, dass die Fed in den kommenden Monaten weniger aggressiv als die EZB sein wird.

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Die Fresenius-Aktie krönt sich an der Spitze des DAX

Die Fresenius-Aktie führt mittags den DAX an und könnte von einem UBS-Kaufangebot profitieren. Analyst Graham Doyle betonte, dass das jährliche Umsatzwachstum des Medizinkonzerns mit weniger Risiken verbunden sei als das entsprechende Wachstum von Unternehmen in anderen Branchen. Also beschwerte sich Doyle über den Rabatt von 70 Prozent, mit dem die Aktie verkauft wird. Die Aktie ist in jeder Hinsicht billig.

Umsatzanteil von Brenntag

Größter Verlierer im DAX war Brenntag mit einem Minus von fast acht Prozent. Die Unterlagen des Chemikalienhändlers werden durch Managementgespräche mit dem US-Konkurrenten Univar Solutions beeinträchtigt. Analysten sehen Licht und Schatten. Ein solcher Deal könnte Synergien freisetzen, die Frage des Kaufpreises ist aber noch offen.

Durch die Fusion könnte ein Unternehmen mit einem Umsatz von über 30 Milliarden US-Dollar entstehen. Auf der Handelsplattform Tradegate notierte die Univar-Aktie zuletzt elf Prozent höher.

Mögliche Lieferverzögerungen bei Airbus

Mit einem Kursverlust von mehr als drei Prozent ist die Airbus-Aktie der zweitgrößte Verlierer im DAX. Airbus bereitet Kunden laut Insidern derzeit auf Verzögerungen bei der planmäßigen Auslieferung einiger Mittelstreckenflugzeuge vor. Hintergrund sind Unsicherheiten in der Versorgung mit Motoren und anderen Maschinenteilen sowie mögliche Personalengpässe. Airbus äußerte sich nicht zu den Informationen.

VW stoppt die Produktion im chinesischen Werk

Aufgrund von Coronavirus-Beschränkungen in China hat Volkswagen die Fließbänder in einem Werk gestoppt und produziert anderswo weniger. „Die Produktion im Werk Chengdu wurde aufgrund der aktuellen Corona-Welle vorübergehend ausgesetzt“, sagte der Sprecher heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Betroffen waren auch zwei Produktionslinien im Werk Changchun.

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BMW rechnet für 2023 mit einem stabilen Geschäft

BMW-Chef Oliver Zipes erwartet für das kommende Jahr ein stabiles Geschäft. Verschiedene Märkte auf der ganzen Welt haben unterschiedliche Herausforderungen und Chancen. Lockdowns in China, dem größten Automarkt, machten ihm Sorgen, sagte Zipse. Gas dürfte es in Deutschland in diesem Winter reichlich geben, aber die Autoindustrie und ihre Zulieferer brauchen eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Die Aktie der Adler-Gruppe befindet sich im Höhenflug

Die Aktien der Adler-Gruppe steigen. Der notleidende Immobilienkonzern hat sich mit einer großen Gläubigergruppe auf eine Anpassung der Bedingungen der von Adler begebenen Anleihen geeinigt. Zuletzt betrug der Preisanstieg mehr als 50 Prozent. Erstmals seit Ende August näherte sich der Kurs wieder der 3-Euro-Marke.

Barclays-Chef unterzieht sich einer Krebsbehandlung

Chef der britischen Barclays Bank S.S. Venkatakrishnan muss von Krebs geheilt werden. Venkatakrishnan werde bald von zu Hause aus arbeiten, teilte das Rathaus mit. Die Behandlung sollte 12 bis 16 Wochen dauern. „Das Unternehmen wird in dieser Zeit normal arbeiten, und ich werde weiterhin aktiv an der Geschäftsführung beteiligt sein“, sagte der Bankchef. Das Institut bestätigte, dass kein Interimsgeschäftsführer ernannt wurde.

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