Kritik an Lauterbachs Plan: Warnung vor “Hop-on-Hop-off-System”

Stand: 12.11.2022 17:08 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach will die Zahl der Krankenhausaufenthalte reduzieren. Doch dieser Plan stieß bei den Krankenkassen auf heftige Kritik. Auch Patientenfürsprecher, die ein unrealistisches „Hop-On-Hop-Off-System“ befürchten, wehren sich.

Deutschlands Krankenhäuser und Kliniken müssen grundlegend reformiert werden. Sie leiden unter Personalmangel, überfüllten Notaufnahmen und manchmal Überbehandlung. Mehrere Kliniken schreiben rote Zahlen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat diese Woche einen Plan vorgestellt, wie er sich die künftige Entlastung vorstellt.

Er will ambulante Operationen anders bezahlen und damit unnötige Krankenhäuser reduzieren. Viele Behandlungen, die bisher einen stationären Aufenthalt erforderten, sollen zukünftig ambulant durchgeführt werden. Und auch bei stationären Patienten sei die Übernachtung nicht notwendig, wenn der Patient es wünsche und medizinisch nichts dagegen spreche, sagte der Minister. Diese Pläne stoßen nun auf heftige Kritik von Krankenkassen und Patientenschützern.

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GKV sieht keine strukturellen Veränderungen

„Wir teilen die Einschätzung, dass in Deutschland zu viele Leistungen stationär statt ambulant erbracht werden“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstandsmitglied des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, „Rheinische Die Post“. „Die vorgelegten Vorschläge werden jedoch das Ziel einer stärkeren ambulanten Versorgung nicht erreichen, im Gegenteil: Den bisher geplanten Maßnahmen, wie etwa der erheblichen Ausweitung des Katalogs der ambulant durchführbaren Operationen, wird entgegengewirkt.“

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Die Neuregelungen zementieren die bisherige Struktur der stationären Versorgung, anstatt einen notwendigen Strukturwandel einzuleiten. „Ohne ein klar definiertes Leistungspaket für den neuen Tag der stationären Behandlung besteht die Gefahr, dass Patienten je nach Kalkulation des Managements über Nacht nach Hause geschickt werden“, sagte er.

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“Kursrechner entscheidet”

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht das Reformvorhaben kritisch. Vorstandsmitglied Eugen Brysch sagte der Nachrichtenagentur, das Pflegepersonal werde nicht entlastet, wenn Patienten jede Nacht die stationäre Versorgung unterbrechen. “Hop-On-Hop-Off-System” ist dem Leben fremd.

Kranke Menschen sollten nicht dem klinischen Diktat unterworfen werden. „Karl Lauterbach versichert, dass alles ehrenamtlich erfolgen soll. Aber Preiskalkulatoren werden entscheiden, wer abends bleiben darf“, warnte Brysch.

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