Früher war alles besser? Aber ja!

Hannover. Deutschland spielt. Das war genug. Als Entschuldigung und Erklärung für alles. Kommst du am Samstag?Nein, Deutschland spielt. Warum ist das Kind noch wach? Deutschland spielt. Warum ist es so leer in der Stadt? Deutschland spielt.

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Deutschland spielt heute. In Katar. Wm. Ende November. Nicht alle wissen das, nicht alle sind glücklich. Bin ich glücklich? Ich weiß nicht. Ich freue mich für den Stürmer Niclas Füllkrug aus Hannover.

Aber ansonsten vermisse ich fast alles, was Deutschland früher gespielt hat. Wenn es überhaupt eine Weltmeisterschaft gibt. Fußball total, drei oder vier Spiele am Tag in der Vorrunde. Wenn die Kleinen die Großen schlagen. Wenn irgendwie ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Wenn alle darüber reden und sogar Leute, die nichts mit Fußball zu tun haben, zuschauen.

Erste Weltmeisterschaft mit Wasserschlacht und Finale in Farbe

Wer mit Fußball zu tun hat, erinnert sich nicht an das erste Spiel in Deutschland, wohl aber an die erste WM. Bei mir war es 1974, ich war neun Jahre alt. Heim-WM. Das erste Spiel habe ich auf dem Rückweg von der Augenklinik in Bremen-Ostfriesland im Radio gehört, wahrscheinlich auf Mittelwelle. Deutschland spielte gegen Australien, der Radiobericht und mein Vater mit Fieber am Steuer war interessanter als das Spiel. 3:0 für Deutschland. Aber jetzt war ich da. Ich war trotzdem dabei. Von Anfang an. Ohne es zu wissen. Mein Chef hieß mit Vornamen Uwe Seeler. Er hat 1974 aufgehört zu spielen, aber rückblickend bevorzuge ich Uwe Franz oder Sepp. So wurden die Sterne genannt. Aber mein Vater würde das nicht tun. Sie spielten beim blöden FC Bayern. Es war egal, ob Deutschland spielte.

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Fußballfans: Unser Autor Uwe Janssen ist Teil des Platzwartduos.

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Ich erlaubte ihnen, das nächste Spiel zu sehen. Warum ist das Kind noch wach? Deutschland spielt. Gegen die DDR, Jugoslawien, Schweden, die Wasserschlacht in Frankfurt gegen Polen. Und immer wieder Müller, Müller, Müller. Im Finale laden wir die ganze Familie ein, die Nachbarn zu treffen. Sie hatten Farbfernseher. Total cool. Und wieder Müller – Drehschuss, 2:1, Weltmeister! Was für ein WM-Einzug. Jetzt war das Turnier eine Droge. EM war auch ok, aber nicht so toll. Mir war nicht klar, dass Deutschland seinen Titel vier Jahre später in einem Land verteidigen müsste, das von einer brutalen Militärdiktatur beherrscht wird. Vielleicht auch, weil es das griffige Wort Sportswashing damals noch nicht gab.

Dribbling wie Kalle zur Halbzeit

Internationale Spieltage sind seither große Tage, nicht nur weil Deutschland spielte, sondern auch weil es live im Drei-Kanal-Fernsehen zu sehen war. Ich wünschte, ich hätte in der TV-Sendung „Hör zu“ nicht „Länderspiegel“ gelesen, sondern „Länderspiel“. Leider war es eine wöchentliche politische Sendung. Schade. Aber als die Weltmeisterschaft lief, sah das Fernsehprogramm fantastisch aus.

Ihm auch

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Ich habe Typen wie Mario Kempes, Paolo Rossi, Zico und Karl-Heinz Rummenigge bewundert, ich wollte dribbeln wie Kalle. Als Kalle und Co. Seitdem gespielt, kam ich zur Halbzeit raus und schoss langsam unseren Zaun. Kalle ist wieder in den Schlagzeilen, wegen unbezahlter Rolex-Uhren aus Katar vor Jahren. Das würde meine damaligen Ideale zerstören. Kalle ist jetzt Fußballfunktionär. In Sachen Reputation bleibt in der Berufsgruppe nichts zerstört. Zwar versucht Fifa-Präsident und Teilzeit-Katarier Gianni Infantino mit einer Mischung aus Selbstherrlichkeit und Größenwahn, die Schraube der Gebrochenheit, Korruption und Zumutung noch ein Stück weiter zu drehen.

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Keine Satire: Infantino fühlt sich wie ein Gastarbeiter

Am Tag vor dem Eröffnungsspiel sagte er, er fühle sich wie ein Schwuler, wie ein Behinderter, wie ein Gastarbeiter, sichtlich genervt vom Thema Menschenrechte. Das war keine bittere Satire auf Infantino, das war er selbst. Und das meinte er wohl auch. Genauso wie die Idee, Russlands Angriffskrieg in der Ukraine während der WM wie ein Paintballspiel zu pausieren. Für wen müssen Sie sich halten, um diese Vorstellungen zu entwickeln? Da gibt es nicht viel Raum für Verbesserungen. Er wird bald als Fifa-Präsident wiedergewählt. Es gibt keine Gegenkandidaten. Gab es wahrscheinlich auch nicht, als die aktuelle WM nachgab. Nur offiziell. Die großartigste Show der Welt. Um bei Infantinos PR-Gerede zu bleiben.

Deutschland spielt am Mittwoch. Es gibt keine Autos, kein Public Viewing, keine kreischenden Weltangebote in Supermärkten und Elektronikläden, keine politischen Entscheidungen, die in der großen Bewegung der Welt nur so schwanken. Bin ich glücklich? nein Es hat mit Katar zu tun, mit Ende November, mit der Fifa, mit verbotenen Kapitänsbinden, mit halbleeren Stadien und Jubiläumsballetten, mit Infantino und anderen, die nicht genug bekommen und es nicht einmal leugnen wollen. Dieser Fall und Geld gepumpt-aa-volles Profi-Fußball-Geschäft. Das hat aber auch damit zu tun, dass mich die deutsche Fußballnationalmannschaft und die aufgeblasene „League of Nations“ schon lange nicht mehr interessieren. Ich kenne nicht einmal alle Spieler der Mannschaft. Das mag daran liegen, dass ich jahrelang ein zweitklassiger Fan war.

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City Club – etwas, das im Herzen eines Fans rührt

Aber Hannover 96 reicht mir in jeder Hinsicht. Da regt sich etwas im Herzen des Fans. Auch wenn die Roten seit fast zehn Jahren auf dem Rückzug sind. Zwar argumentieren Martin Kind und der Verein öffentlichkeitswirksam vor Gericht. Wobei ich die Ticketpreise und manche Fan-Events auch nicht verstehe. Aber ich kann glücklich und aufgeregt sein. Und das 2017 von Füllkrug gelenkte Tor beim 1:0-Sieg gegen Eintracht Braunschweig ist unvergessen. Auch nicht das Sevilla-Spiel 2011. Das war so elektrisierend. Wie 1974 und die Nachbarn in Farbe.

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Habe ich das Spiel heute gesehen? Nein, um mein Gewissen nicht zu boykottieren oder zu beruhigen. Aber da habe ich keine Lust auf dieses absurde FIFA-Theater in Katar. Du kannst jetzt einfach nicht nur Fußball gucken. Aber ich habe nichts gegen den Krug. Und wenn Deutschland gewinnt, liegt das daran, dass Japan Sei Muroya 96 nicht spielen lässt. Für mich geht der Fußball erst Ende Januar wieder los. Wenn Hannover spielt.

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