Deutschland könnte leer ausgehen: Katar und China schließen Mega-LNG-Deal

Deutschland konnte nichts finden
Katar und China unterzeichnen einen großen LNG-Deal

Katar hat den „längsten Auftrag in der Geschichte der LNG-Industrie“ an Land gezogen: Seit 27 Jahren liefert das Emirat China mit insgesamt 108 Millionen Tonnen Flüssiggas. Deutschland steckt in den Verhandlungen mit Katar in einem schwierigen Dilemma.

Katar und China haben ein langfristiges und umfassendes Gasabkommen unterzeichnet. Das staatliche Unternehmen Qatar Energy wird jährlich vier Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) in die Volksrepublik liefern, teilte die Gruppe mit. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 27 Jahren und ist damit laut Energieminister und Energiechef von Qatar, Saad Sherida Al-Kaabi, der „längste“ Vertrag in der Geschichte der LNG-Industrie.

Das Gas kommt aus dem East North Field an der Küste des Landes und geht an das chinesische Unternehmen Sinopec. Sinopec sagte, es würde auch einen Anteil südlich des North Field übernehmen. Die westlichen Energiekonzerne Shell, TotalEnergies und ConocoPhillips sind bisher mit 25 Prozent beteiligt.

Qatar Energy und Sinopec haben bereits im März 2021 einen ersten Gasliefervertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren unterzeichnet. Katar ist laut Energy Consultant Enervis der weltweit größte Exporteur von verflüssigtem Erdgas und will die LNG-Produktion bis 2027 um 60 Prozent steigern. Dann will das Land 126 Millionen Tonnen pro Jahr produzieren. Das wohlhabende Emirat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven der Welt. Katar teilt sich mit dem Iran das größte Gasfeld der Welt vor der Küste des Landes.

Deutschland steckt in einem Dilemma

Der überwiegende Teil der Exporte geht nach Asien, bisher vor allem nach Japan, Südkorea und Indien. Seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine verlangen Deutschland und andere europäische Länder verstärkt nach LNG. Allerdings wollen sie nicht so langfristige Verträge abschließen wie China, denn LNG soll nur als Übergangsenergie dienen. Laufzeiten von 20 Jahren sind marktüblich, wie Sebastian Gulbis, Partner beim Energieberatungsunternehmen Enervis, gegenüber ntv.de erläutert. Verträge mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren dominieren.

„Aus deutscher Sicht kollidiert dies direkt mit dem ehrgeizigen Dekarbonisierungsziel Deutschlands, das eine massive Reduzierung des Erdgasverbrauchs in den nächsten 20 Jahren vorsieht, mit dem Ziel sogar auf null in 20 Jahren“, sagt Gulbis. „Der Abschluss eines größeren Vertrags mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren könnte daher für Deutschland das Risiko bergen, zu viel Gas kontrahieren zu müssen.“ Deutschland und Katar haben im Mai eine Energiepartnerschaft unterzeichnet. Damals hieß es, Katar könne schon 2024 Flüssiggas nach Deutschland liefern. Wann tatsächlich ein Liefervertrag abgeschlossen werden kann, ist allerdings noch unklar.

Katar könnte auf Deutschland als Auftraggeber verzichten

Der Vertrag Katars mit China mache aus Sicht von Gulbis das Risiko Deutschlands deutlich, „dass Katar in der aktuell angespannten Lage genügend Käuferländer finden kann, die Verträge mit einer so langen Laufzeit abschließen wollen – und dass für Deutschland nichts mehr übrig bleibt.“ Dieser Umstand verbessert die Verhandlungsposition Katars in den laufenden Gesprächen erheblich. Im schlimmsten Fall sollte Deutschland bereit sein, LNG in größerem Umfang am kurzfristigen Spotmarkt zu beschaffen. Dies würde die Versorgungssicherheit gefährden, da die Menge kurzfristig auch am Markt verfügbar sein sollte. Hinzu kamen kurzfristige Preisschwankungen am Spotmarkt, extreme Preisaufschläge waren möglich.

„In Summe bedeutet das für Deutschland mittelfristig eine große Reduzierung des Erdgasverbrauchs, etwa durch den massiven Einbau von Wärmepumpen oder Effizienz- und Sanierungsmaßnahmen sowie den Einsatz von Wasserstoff“, fasst Gulbis zusammen. Ironischerweise würde ein sinkender Verbrauch die Differenzen in den Verhandlungen mit Katar weiter verschärfen. „Dieser Widerspruch lässt sich letztlich kaum auflösen.“

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